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Kommunikation

Systemisch kommunizieren: Warum klassische Kommunikationstipps 2026 nicht mehr reichen

7. Januar 2026
8 Min. Lesezeit
Dr. Torsten Rambusch
Systemisch kommunizieren: Warum klassische Kommunikationstipps 2026 nicht mehr reichen - Illustration zum Thema Kommunikation

In komplexen Organisationen reichen einfache Gesprächsrezepte nicht mehr aus. Systemische Gesprächsführung bedeutet: Beziehungen gestalten, Muster erkennen und Ressourcen aktivieren statt Probleme wegzureden.

Warum klassische Kommunikationstipps 2026 nicht mehr reichen

Kennen Sie diese typischen Kommunikationstipps? 'Aktiv zuhören', 'Ich-Botschaften verwenden', 'Konflikte sachlich angehen'. Das Problem: Sie funktionieren – aber nur in linearen, übersichtlichen Situationen. In den komplexen, widersprüchlichen Realitäten moderner Organisationen versagen sie regelmäßig.

Warum? Weil sie davon ausgehen, dass Kommunikation nach dem Sender-Empfänger-Modell funktioniert: Ich sage etwas, Du verstehst es. Fertig. Aber so läuft es nicht. Jede Aussage wird in Beziehungen, Machtverhältnissen und historischen Mustern interpretiert. Was Du sagst, ist nie das, was ankommt.

Systemische Gesprächsführung denkt anders. Sie fragt nicht: 'Wie formuliere ich es richtig?', sondern: 'Welches System ist hier am Werk? Welche unsichtbaren Fäden ziehen gerade? Und wie kann ich diese Dynamik produktiv nutzen?'

Die Falle der Beurteilung: Verstehen statt bewerten

Die meisten Führungsgespräche beginnen mit einer versteckten Bewertung. Wir hören zu, um uns eine Meinung zu bilden. Wir fragen, um die eigene These zu bestätigen. Und wir reagieren, um die andere Person in die richtige Richtung zu lenken.

Das ist keine Kommunikation. Das ist Manipulation auf Augenhöhe.

Systemische Haltung bedeutet: radikal neugierig bleiben. Nicht urteilen, sondern verstehen wollen. Das zentrale Prinzip lautet: 'Jedes Verhalten macht Sinn.' Auch wenn es noch so irrational erscheint. Die Frage ist nur: Welchen Sinn? In welchem Kontext ergibt dieses Verhalten eine Logik?

Wer so fragt, muss nicht mehr kämpfen. Man versteht plötzlich, warum ein Mitarbeiter blockiert, warum ein Team nicht vorankommt, warum eine Entscheidung immer wieder aufgeschoben wird. Und genau diese Sinnkopplung öffnet Räume für echte Veränderung.

Die Kraft des zirkulären Fragens: Das System ins Zimmer holen

Lineare Fragen führen zu Rechtfertigung. 'Warum hast Du das nicht gemacht?' – 'Weil ich keine Zeit hatte.' Ende der Durchsage.

Reflexionsübung

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für diese Leitfragen:

1

Welche Personen und Faktoren beeinflussen das System, in dem ich führe?

2

Welche Perspektiven sind in meinen Gesprächen relevant – und welche übersehe ich regelmäßig?

3

Wie schaffe ich eine gemeinsame Gesprächsgrundlage, statt vorschnell zu urteilen?

4

Welche Haltung habe ich im Gespräch – bin ich wertschätzend oder beurteilend?

5

Welche Bedürfnisse nehme ich bei den am Gespräch beteiligten Personen wahr?

Diese Fragen sind keine Checkliste, die man einmal abhakt. Sie sind eine Haltungsübung, die man täglich praktizieren muss.

Zirkuläre Fragen hingegen machen Beziehungen sichtbar. Statt zu fragen: 'Warum funktioniert das Projekt nicht?', frage ich: 'Was glaubst Du, wie die IT-Abteilung auf diesen Verzug reagiert?' Oder: 'Wenn Deine Kollegin hier säße – was würde sie über die Zusammenarbeit sagen?'

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Diese Fragen sind keine Tricks. Sie sind diagnostische Instrumente. Sie helfen, die Struktur hinter den Symptomen zu erkennen. Und sie bringen das gesamte System ins Zimmer – ohne dass alle Beteiligten anwesend sein müssen.

Ressourcen-Fokus statt Defizit-Analyse: Was ist schon da?

Klassische Führungsgespräche fokussieren auf Probleme. Was läuft schlecht? Was fehlt? Was muss verbessert werden? Das ist nicht falsch – aber es ist einseitig.

Systemische Gesprächsführung dreht die Perspektive um: Was funktioniert schon? Welche Ressourcen sind bereits im System? Wo gibt es Lichtblicke, auch wenn es gerade schwierig ist?

Das ist kein positives Denken. Das ist eine handfeste Technik, um festgefahrene Systeme wieder in Bewegung zu bringen. Denn Defizit-Analysen lähmen. Ressourcen-Fragen aktivieren.

Ein Beispiel: Statt zu fragen 'Warum schafft Ihr Team die Deadlines nicht?', frage ich: 'Wann hat es das letzte Mal gut funktioniert? Was war da anders?' Plötzlich wird sichtbar, welche Bedingungen Erfolg ermöglichen – und wie man diese wieder herstellen kann.

Konstruktives Denken bedeutet nicht, Probleme zu ignorieren. Es bedeutet, vom Problem zur Lösung zu kommen – und zwar über die Ressourcen, die bereits vorhanden sind.

Leadership 2026: Kommunikation ist Beziehungsgestaltung

In einer Welt, in der KI die Informationsverarbeitung übernimmt, bleibt der Führungskraft die Beziehungsarbeit. Systemische Gesprächsführung ist keine Methode, die man 'mal eben lernt'. Sie ist eine Haltung, die man trainiert – immer wieder.

An der STEP Akademie üben wir genau das: nicht nur Fragen stellen, sondern systemisch denken. Nicht nur zuhören, sondern Muster erkennen. Nicht nur reden, sondern Beziehungen gestalten.

Denn Leadership 2026 bedeutet: Wer nur redet, verliert. Wer systemisch kommuniziert, bewegt.

Dr. Torsten Rambusch

Geschäftsführer

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