Konstruktives Feedback ist keine Technik, sondern eine Haltung. Lerne, wie du eine Kultur schaffst, in der Feedback zur Selbstverständlichkeit wird.
Feedback wird oft als Werkzeug missverstanden: eine Technik, die man lernen und anwenden kann. Doch echte Feedbackkultur ist mehr. Sie ist eine Haltung, eine Art der Zusammenarbeit und eine Grundlage für kontinuierliche Entwicklung.
Warum die meisten Feedbackversuche scheitern
Die klassischen Feedbackregeln kennen wir alle: Ich-Botschaften, konkrete Situationen beschreiben, konstruktiv bleiben. Und trotzdem scheitert Feedback oft. Warum? Weil Feedback nicht im luftleeren Raum stattfindet. Es ist eingebettet in Machtstrukturen, Beziehungen und organisationale Kulturen.
Feedback von oben nach unten wird oft als Kritik erlebt, selbst wenn es gut gemeint ist. Feedback von unten nach oben erfordert Mut und psychologische Sicherheit. Und Feedback unter Kollegen kann schnell als unerwünschte Einmischung wahrgenommen werden.
Psychologische Sicherheit als Grundlage
Ohne psychologische Sicherheit funktioniert Feedbackkultur nicht. Menschen müssen wissen: Feedback zu geben und zu empfangen ist erwünscht, es führt nicht zu negativen Konsequenzen, und Verletzlichkeit zu zeigen ist keine Schwäche.
Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Appelle, sondern durch konsistentes Vorleben. Als Führungskraft bist du dabei der Schlüssel: Bittest du aktiv um Feedback? Gehst du konstruktiv damit um? Zeigst du, dass auch du Fehler machst und daraus lernst?
Von der Technik zur Haltung
Feedback ist keine Einbahnstraße, sondern ein Dialog. Es geht nicht darum, dem anderen zu sagen, was falsch läuft. Es geht darum, gemeinsam zu verstehen: Was ist passiert? Wie wirkt es? Was können wir daraus lernen?
Diese Haltung verändert alles. Feedback wird nicht mehr als Bedrohung erlebt, sondern als Chance. Nicht als Urteil, sondern als Perspektive. Und nicht als Pflichtübung, sondern als selbstverständlicher Teil der Zusammenarbeit.
Strukturen schaffen, die Feedback ermöglichen
Feedbackkultur braucht Strukturen. Nicht im Sinne von starren Prozessen, sondern von verlässlichen Räumen und Rhythmen. Regelmäßige Retrospektiven im Team, die nicht nur Prozesse, sondern auch Zusammenarbeit reflektiert. Check-ins und Check-outs in Meetings, die Raum für Befindlichkeiten schaffen. 360-Grad-Feedback, nicht als einmaliges Event, sondern als kontinuierlicher Prozess.
Und vor allem: niedrigschwellige Formate, die Feedback zur Selbstverständlichkeit machen. Nicht jedes Feedback braucht ein offizielles Gespräch. Manchmal reicht eine kurze Nachfrage: Wie hast du das gerade erlebt? Was hat gut funktioniert? Was könnten wir beim nächsten Mal anders machen?
Mit schwierigem Feedback umgehen
Nicht jedes Feedback ist einfach. Manchmal geht es um grundlegende Konflikte, verletzte Gefühle oder existenzielle Fragen. In solchen Situationen reichen Feedbackregeln nicht aus. Du brauchst Mut, Klarheit und die Bereitschaft, schwierige Gespräche zu führen.
Schwieriges Feedback funktioniert nur, wenn die Beziehung stabil genug ist, um es auszuhalten. Das bedeutet: Investiere in Beziehungen. Nicht durch Teambuilding-Events, sondern durch echtes Interesse, verlässliches Handeln und die Bereitschaft, auch unangenehme Wahrheiten anzusprechen.
Feedbackkultur als kontinuierlicher Prozess
Feedbackkultur entsteht nicht über Nacht. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess, der Geduld, Konsistenz und die Bereitschaft erfordert, immer wieder neu anzufangen. Es wird Rückschläge geben. Feedback wird missverstanden, führt zu Konflikten oder verpufft wirkungslos.
Das ist normal. Entscheidend ist, dass du als Führungskraft dranblebst. Dass du Feedback weiter einholst, auch wenn es unbequem ist. Dass du Räume öffnest, auch wenn sie zunächst nicht genutzt werden. Und dass du vorleb, dass Entwicklung ohne Feedback nicht möglich ist.
Stephanie Müller
Leiterin Akademie & Consulting
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