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Führung

Krisen managen: Souveränität in stürmischen Zeiten

21. Januar 2026
8 Min. Lesezeit
Dr. Torsten Rambusch
Krisen managen: Souveränität in stürmischen Zeiten - Illustration zum Thema Führung

Krisen sind keine Ausnahmen mehr, sondern Bestandteil einer volatilen Arbeitswelt. Was unterscheidet eine Führungskraft, die im Sturm erstarrt, von einer, die das System stabilisiert? Systemisches Krisenmanagement bedeutet nicht, alle Antworten zu haben.

Krisen sind keine Ausnahmen mehr – sie sind Normalität

Die Pandemie hat es gezeigt, Lieferkettenkrisen haben es verstärkt, Fachkräftemangel hält es aufrecht: Krisen sind keine seltenen Ausnahmesituationen mehr. Sie sind struktureller Bestandteil einer VUCA-Welt – volatil, unsicher, komplex, mehrdeutig.

Was bedeutet das für Führung? Klassisches Krisenmanagement setzt auf Checklisten, Notfallpläne und Best Practices. Das Problem: In echten Krisen funktioniert das selten. Denn jede Krise ist anders. Jede Organisation reagiert anders. Jedes Team braucht andere Interventionen.

Systemisches Krisenmanagement geht einen anderen Weg. Es stellt nicht die Frage: 'Was ist die richtige Lösung?' Sondern: 'Wie bleiben wir handlungsfähig, auch wenn wir die Lösung noch nicht kennen?' Das ist der entscheidende Unterschied.

Der Leadership-Check: Krisenfestigkeit

Bevor Sie andere durch die Krise führen können, braucht es Klarheit über Ihre eigene Krisenkompetenz. Fünf Fragen, die zeigen, wo Sie stehen:

Erkenne ich Krisenauslöser frühzeitig, bevor sie eskalieren? Die meisten Krisen kündigen sich an. Aber nur wer die Warnsignale wahrnimmt, kann präventiv handeln. Das erfordert Achtsamkeit – für schwache Signale, für Stimmungen im Team, für Veränderungen im System.

Verfüge ich über Strategien, um unter hohem Druck handlungsfähig zu bleiben? Stress ist in Krisen unvermeidbar. Die Frage ist: Was haben Sie in Ihrem Werkzeugkoffer, um trotzdem klar zu denken? Atemtechniken, Routinen, Rituale – wer diese nicht hat, wird zum Getriebenen.

Wie stärke ich das Vertrauen meines Teams in einer unsicheren Lage? In der Krise schauen alle auf die Führungskraft. Nicht weil Sie alle Antworten haben müssen. Sondern weil Ihr Verhalten Orientierung gibt. Präsenz ist wichtiger als Perfektion.

Die drei Säulen der Krisenführung

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Erste Säule: Selbstführung. Nur wer sich selbst führen kann, kann andere führen. Das klingt banal, ist aber in der Krise existenziell. Denn Stress aktiviert das limbische System – und schaltet den rationalen Verstand aus. Die Folge: Hektik, Tunnelblick, impulsive Entscheidungen.

Selbstführung bedeutet: bewusste Selbstregulation. Das beginnt beim Körper. Atmen Sie flach oder tief? Sind Ihre Schultern angespannt? Wo spüren Sie Druck? Diese Wahrnehmung ist der erste Schritt zur Selbstkontrolle.

Zweite Säule: Psychologische Sicherheit. In der Krise braucht das Team Klarheit und Präsenz. Aber auch Raum für Unsicherheit. Denn wer Angst hat, Fehler zu machen, traut sich nicht, Lösungen zu entwickeln.

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Motivationsreden. Sondern durch konkretes Verhalten: Fehler als Lernchancen behandeln. Fragen zulassen, auch wenn sie unbequem sind. Und vor allem: selbst Unsicherheit zugeben. 'Ich weiß es auch nicht – aber wir finden es gemeinsam heraus' kann befreiend wirken.

Dritte Säule: Systemische Tools. Krisen sind komplex. Systemische Methoden helfen, diese Komplexität zu strukturieren. Ohne sie zu reduzieren. Das ist der Unterschied zu klassischen Analysetools.

Ein Beispiel: Zirkuläres Fragen. Statt 'Was ist das Problem?' fragen Sie: 'Wer sieht das Problem wie?' Plötzlich wird sichtbar: Es gibt nicht das Problem. Es gibt unterschiedliche Perspektiven auf eine Situation. Und genau diese Vielfalt braucht es, um Lösungen zu finden.

Ressourcenaktivierung statt Problemfokus

Die meisten Kriseninterventionen setzen bei Defiziten an. Was läuft schief? Wo sind die Schwachstellen? Was muss repariert werden? Das Problem: Diese Problemfokussierung erzeugt noch mehr Stress.

Reflexionsübung

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für diese Leitfragen:

1

Was hat zur Krise geführt?

2

Was sind meine wichtigen Ressourcen in Krisen?

3

Wie bleibe ich in existenziell bedrohlichen Situationen souverän und handlungsfähig?

4

Welche wichtigen Tools gibt es, um mir und meinem Team aus der Krise herauszuhelfen?

5

Wie kann ich mein Team in seinem Krisenverhalten stärken und Sicherheit geben?

Diese Fragen sind keine Checkliste, die man einmal abhakt. Sie sind eine Haltungsübung, die man täglich praktizieren muss.

Systemisches Krisenmanagement dreht das um. Es fragt: Was funktioniert noch? Welche Ressourcen haben wir? Worauf können wir aufbauen? Diese Perspektive ist nicht naiv. Sie ist pragmatisch. Denn Krisen löst man nicht durch Defizitanalyse, sondern durch Handlungsfähigkeit.

Konkret bedeutet das: Identifizieren Sie Ihre Stärken – individuell und als Team. Wer hat welche Kompetenzen? Wer bleibt ruhig, wenn es brennt? Wer vernetzt gut? Wer denkt strategisch? Diese Ressourcen gezielt einzusetzen, ist effektiver als jeder Notfallplan.

Leadership 2026: Krisen als Katalysator

Die gute Nachricht: Krisen sind nicht nur Bedrohung. Sie sind auch Entwicklungschance. Wer lernt, Krisen zu managen, entwickelt Kompetenzen, die weit über die Krise hinaus wirken.

An der STEP Akademie trainieren wir genau das: nicht Krisenvermeidung, sondern Krisenkompetenz. In Simulationen, Rollenspielen und echten Fallbeispielen. Denn Souveränität in der Krise entsteht nicht durch Theorie – sondern durch Erfahrung.

Wer Krisen meistern will, braucht keine Superhelden-Qualitäten. Sondern Haltung. Methoden. Und die Bereitschaft, sich selbst weiterzuentwickeln. Das ist systemisches Krisenmanagement.

Dr. Torsten Rambusch

Geschäftsführer

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