Killerphrasen, Machtspiele, verbale Angriffe – in Meetings und Verhandlungen entscheidet oft nicht das bessere Argument, sondern wer die Nerven behält. Systemische Schlagfertigkeit ist keine Begabung, sondern eine trainierbare Haltung.
Warum Schlagfertigkeit nichts mit schnellen Sprüchen zu tun hat
Sie kennen das: Mitten im Meeting fällt ein Satz, der Sie trifft. Ein subtiler Angriff, eine herablassende Bemerkung, eine Killerphrase wie 'Das haben wir schon immer so gemacht'. Und Sie? Stehen da. Sprachlos. Die perfekte Antwort fällt Ihnen erst auf dem Heimweg ein.
Das Frustrierende: Es liegt nicht an Ihrer Intelligenz. Es liegt an Ihrem Nervensystem. In Stresssituationen schaltet das Gehirn auf Kampf oder Flucht – und der präfrontale Kortex, zuständig für kluge Antworten, geht offline.
Klassische Schlagfertigkeitstrainings setzen hier falsch an. Sie liefern Sprüche und Kontertechniken. Aber wer unter Druck steht, erinnert sich nicht an auswendig gelernte Sätze. Die systemische Perspektive geht tiefer: Sie trainiert nicht die Antwort, sondern die innere Haltung, aus der souveräne Reaktionen entstehen.
Das Geheimnis der Souveränität: Die Pause zwischen Reiz und Reaktion
Viktor Frankl hat es auf den Punkt gebracht: 'Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion.' Genau diesen Raum zu vergrößern, ist das Ziel systemischer Schlagfertigkeit.
Konkret bedeutet das: Wenn die Killerphrase kommt, nicht sofort reagieren. Stattdessen: Durchatmen. Den eigenen Körper spüren. Die Situation von außen betrachten. Was passiert hier gerade wirklich?
Oft zeigt sich: Der Angriff sagt mehr über den Angreifer als über Sie. Wer andere herabsetzt, kompensiert eigene Unsicherheit. Wer Killerphrasen nutzt, hat keine besseren Argumente. Diese Erkenntnis – in Echtzeit – verändert alles.
Live-Training am 26.03.: Souverän in schwierigen Gesprächssituationen
Trainieren Sie Ihre Schlagfertigkeit in realistischen Rollenspielen und entwickeln Sie eine Haltung, die Sie nie wieder sprachlos sein lässt.
Paul Watzlawick hat die Grundregeln menschlicher Kommunikation formuliert. Das wichtigste Axiom für schwierige Gespräche: 'Man kann nicht nicht kommunizieren.' Auch Schweigen ist eine Aussage. Auch ein neutrales Gesicht sendet Signale.
Das bedeutet: Sie haben immer eine Wahl. Nicht nur, was Sie sagen – sondern wie Sie präsent sind. Ihre Körperhaltung, Ihr Blickkontakt, Ihre Stimme – all das kommuniziert, bevor Sie ein Wort sprechen.
Systemische Schlagfertigkeit nutzt dieses Wissen. Statt hektisch nach der perfekten Antwort zu suchen, arbeiten Sie mit dem, was Sie haben: Ihre Präsenz. Ein ruhiger Blick, eine aufrechte Haltung, ein bewusstes Schweigen – das kann wirksamer sein als jeder Konterspruch.
Killerphrasen umwandeln: Von der Defensive in die Offensive
Die meisten Menschen reagieren auf verbale Angriffe defensiv. Sie rechtfertigen sich, erklären, entschuldigen sich. Genau das ist die Falle. Wer sich verteidigt, hat schon verloren.
Systemische Schlagfertigkeit dreht den Spieß um. Statt zu reagieren, agieren Sie. Statt sich zu erklären, stellen Sie Fragen. 'Das haben wir schon immer so gemacht' wird zu: 'Spannend – was genau hat sich seitdem verändert, dass wir heute noch genauso vorgehen sollten?'
Reflexionsübung
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für diese Leitfragen:
Welche meiner Stärken will ich in das Gespräch mit einbringen?
Welche Bedürfnisse hat mein Gegenüber?
Welche Haltung habe ich, wenn ich an mein Gegenüber denke?
Was ist mein Gesprächsziel?
Wie will ich auftreten?
Diese Fragen sind keine Checkliste, die man einmal abhakt. Sie sind eine Haltungsübung, die man täglich praktizieren muss.
Die Technik dahinter: Nehmen Sie die Aussage ernst – aber anders, als der Angreifer es erwartet. Sie würdigen den Beitrag, verschieben aber den Fokus. Das ist keine Manipulation, sondern konstruktive Gesprächsführung.
Das Wichtigste: Sie müssen nicht gewinnen. Sie müssen nur bei sich bleiben. Wer seine innere Balance hält, kann nicht wirklich getroffen werden.
Grenzen setzen ohne Eskalation
Manchmal reichen elegante Konter nicht. Manchmal werden Grenzen überschritten, die klar markiert werden müssen. Auch das gehört zur Souveränität: Nein sagen können, ohne die Beziehung zu zerstören.
Systemische Grenzziehung funktioniert nach einem einfachen Prinzip: Verhalten benennen, Wirkung beschreiben, Erwartung formulieren. 'Wenn Sie mich unterbrechen, kann ich meinen Gedanken nicht zu Ende führen. Ich bitte Sie, mich ausreden zu lassen.'
Kein Vorwurf, keine Bewertung, keine Eskalation. Einfach eine klare Aussage, die dem anderen die Wahl lässt. Das ist erwachsene Kommunikation auf Augenhöhe.
Leadership 2026: Souveränität ist trainierbar
Die gute Nachricht: Schlagfertigkeit ist keine Persönlichkeitseigenschaft. Sie ist das Ergebnis von Übung. Wer regelmäßig trainiert, unter Druck präsent zu bleiben, baut neue neuronale Bahnen. Die Pause zwischen Reiz und Reaktion wird größer. Die souveräne Antwort kommt schneller.
An der STEP Akademie üben wir genau das: nicht Sprüche auswendig lernen, sondern Haltung entwickeln. In Rollenspielen, Simulationen und echten Drucksituationen. Denn Souveränität entsteht nicht im Kopf – sie entsteht im Tun.
Wer nie wieder sprachlos sein will, muss nicht lauter werden. Sondern ruhiger. Nicht schneller. Sondern bewusster. Das ist systemische Schlagfertigkeit.
Dr. Torsten Rambusch
Geschäftsführer
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